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Villa Ottone im Laufe der Zeit

 

Die Villa Ottone im Wandel der Zeit…

Die Altoviti sind Nachfahren der Langobarden.

Seit dem Jahr 1200 besaß das Geschlecht der Altoviti Häuser und Türme im Viertel Parione, der Via Tornabuoni und Borgo Santi Apostoli in Florenz. Da sich die Bankiersfamilie Altoviti der ständigen Feindseligkeit des Fürsten Cosimo de’ Medici – Cosimo der Alte genannt – ausgesetzt sah, entschloss Antonio Altoviti mitte des 15. Jharhunderts nach Rom überzusiedeln. Dort heiratete er eine seiner Cousinen, Nichte des damaligen Papstes Innozenz VIII - Giovanni Battista Cibo aus Genua. Die Beziehungen mit den Medici blieben jedoch trotz aller diplomatischen Bemühungen beider Seiten weiterhin angespannt. So kam es dann, dass in den Unwetterzeiten unter den nachfolgenden Medici-Päpsten im 16. Jahrhundert der Sohn Antonios, Bindo Altoviti, das Amt des Finanzverwalters des Vatikans bekleidete und die beträchtlichen Erträge des Ablasshandels verwaltet. Er war sogar in Rom Konsul von Florenz und im Grunde genommen auch Vertreter des Großherzogs der Toskana.

Die Altoviti waren bedeutende Mäzene. Ihre Paläste und Villen waren mit Fresken Vasaris, Medaillen und Büsten Cellinis, Porträts von Raffaello usw. geschmückt. Fast alle ihrer Häuser und Villen in Rom und Florenz sind in den unterschiedlichen Zeitepochen aufgrund der Ausweitung der Städte und vor allem im 19. Jahrhundert nach der Einheit Italiens, als der Bau neuer Stadtviertel, neuer Ministerien, neuer Uferstraßen des Tibers usw. notwendig wurde, fast untergegangen.

Meine Urgroßmutter Vittoria Altoviti Avila heiratete im Jahr 1850 Giuseppe Toscanelli, einen adligen Großgrundbesitzer aus Pisa, der seit seiner Jugend tapfer für die Unabhängigkeit Italiens gekämpft hatte. Nach der Einigung Italiens im Jahre 1860 wurde er deshalb unmittelbar zum Parlamentsabgeordneten gewählt. Zunächst in Turin, dann in Florenz und schließlich in Rom. Der Gutsbesitzer und Weinkenner kümmerte sich dennoch zeitlebens um seine Ländereien in Pisa.
Seine Frau Vittoria war eine energische und gebildete Dame. Da sie stets ein enges Verhältnis zu Ihrer Ursprungsfamilie hatte, hatte sie freilich nicht mehr wie ihre Vorfahren Zugang zu bekannten Künstlern wie Raffaello, Vasari oder Michelangelo. Dennoch pflegte sie regen Verkehr mit der Welt der Intellektuellen und Künstler. Sie empfing in ihrem Palast Toscanelli an der Arnopromenade in Pisa oder im bekannten Salon von Emilia Peruzzi Toscanelli, ihrer Schwägerin, in Florenz. Namenhafte Schriftsteller, Dichter und Künstler wie Giuseppe Giusti, Edmondo De Amicis, Renato Fucini, der Maler Antonio Miseri, die Macchiaioli Telemaco Signorini, Eugenio Lecconi und viele mehr gingen hier ein und aus.

Ihre Tochter Angiolina heiratete den Cousin Corbizzo Altoviti. Vittoria konnte so erneut auf neuen Glanz ihres Mädchennamens hoffen. Unglücklicherweise erkrankte ihr geliebter Sohn Giovan Battista, von den Familienangehörigen liebevoll „Bistino“ genannt, an Tuberkulose. Alsbald folgte sie den Ratschlägen der Ärzte, die ihm Meeresluft anordneten, und kaufte ein Grundstück auf der damals noch verwilderten Insel Elba. Ohne Verzug ließ sie nach Plänen eines Architekten aus Livorno – dessen Name ich leider nicht in den Familienunterlagen finden konnte - eine große herrschaftliche Villa erbauen, so dass Bistino am Meeresufer genesen konnte.

Kurz nach Bistinos Einzug in die Villa im Jahre 1875 stellte sich eine beachtliche Verbesserung seines Gesundheitszustands ein. Daraufhin begann der intelligente und unheimlich feinfühlige Mensch, sich mit großer Leidenschaft um die Probleme Elbas und der Bevölkerung zu kümmern. Sein Einsatz ging so weit, dass ihm sogar trotz seines zarten Alters das Bürgermeisteramt in Portoferraio angeboten wurde. Aufgrund seines prekären Gesundheitszustands lehnte er jedoch ab. Er wurde Vorsitzender der wohltätigen Einrichtung „Opere Pie“ und Schulrat von Elba. Er führte alle Ämter mit großer Sorgfalt und Leidenschaft aus. Bevölkerung und Würdenträger schätzen ihn von Grund auf. Dies zeigt auch die Rede des Bürgermeisters von Portoferraio, Rechtsanwalt Pietro Traditi, anlässlich seines Todes im November des Jahres 1882. Er starb im Alter von nur 25 Jahren!

Die verwitwete Vittoria zog sich daraufhin in die Villa Ottonella zurück und überließ meiner Großmutter Angiolina und meiner Mutter Clarice die große Villa am Meer. Nach gemeinsamem Einvernehmen entschlossen sich die beiden, das Eigentum Anfang der 20er Jahre zu verkaufen.

Die „Belle Epoque“ war zu Ende: Der erste Weltkrieg brachte das Leben der Herrschaften durcheinander: Schlichtheit war angesagt, die Segel mussten gestrichen werden. Und so kommt es, dass Sie nun in den Genuss dieser herrlichen Villa kommen, die Sie im Laufe der Jahre in ein „Hôtel de Charme“ verwandelt haben.

Schriftstück unterzeichnet von Antonia Altoviti, Ostern 1998.

 

 

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